Essen um zu leben
Autorin Brigitte Rühl-Preitler im Interview

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Brigitte Rühl-Preitler, Essen um zu leben Preiswert, einfach und nachhaltig kochen 14,8 x 21 cm, Hardcover 88 Seiten, 15,– € ISBN 978-3-9503791-4-3

Edition Esspapier: Was war Deine Motivation, dieses Projekt anzugehen?
Brigitte Rühl-Preitler: Vor etwa 4 Jahren gab es im Fernsehen einen Spendenaufruf: 30,- € würden ein Kind 1 Monat satt machen, also 1,– € am Tag. Darauf begann ich zu berechnen, was man mit 1,– Euro kochen und essen kann und ob man damit wirklich satt werden kann. Zusätzlich war für mich auch wichtig, dieses Grundnahrungsmittelpaket (www.grundnahrungsmittelpaket.com) für 1 Monat gleich auf einmal einzukaufen. Also mussten die Lebensmittel auch relativ gut haltbar sein. Und so waren im Einkaufskorb großteils Grundnahrungsmittel und ziemlich gut haltbare Obst- und Gemüsesorten.

 

Edition Esspapier: Der Titel des Buches „Essen um zu leben“ erinnert ja an ein Zitat des griechischen Philosophen Sokrates. Was hat es damit auf sich?
Brigitte Rühl-Preitler: Keinen Kult ums Essen machen! Angefangen hat es damit, dass viele glauben, Exquisites in Kochkursen zu lernen … Für mich ist es aber wichtiger, Grundzubereitungsarten zu erlernen. Es ist wichtiger, einen Semmelknödel zubereiten zu können, als einen Hummer zu kochen. Wir essen um zu leben und wir leben nicht um zu essen! Es gibt zu viele Fertigprodukte, die dazu verleiten, immer alle Speisen zur Hand zu haben. In der Verpackung, in der Mikrowelle erwärmt und wiederum aus der Verpackung gegessen klingt verlockend, spart Zeit. Selbst zu kochen und dann das Geschirr abzuwaschen und wegzuräumen, ist heute oft schon zu viel Arbeit. Und was machen wir während der gesparten Zeit? Wir essen aus Langeweile und weil uns die Tageszeit dazu auffordert und nicht aus Hunger. Ich bin der Meinung, wir sollten wieder bewusst unser Essen mit Liebe zubereiten, die fertigen Speisen genießen, am besten gemeinsam mit Freunden und Verwandten Hier fängt für mich die Qualität der Lebensmittel an.

 

Edition Esspapier: Was waren Deine Überlegungen bei der Zusammenstellung der Rezepte?
Brigitte Rühl-Preitler: Die gekauften Lebensmittel sollten bis Monatsende restlos aufgebraucht sein. Nichts wegwerfen und nur so viel kochen, wie wir zum Sattwerden benötigen. Genaue Berechnungen haben gezeigt, dass so dreimal täglich meist warm gekocht werden kann. Leichte, einfache Rezepte können auch von Kochanfängern zubereitet werden. Es sind nur einige Frühstücke und Suppen im Monatsvorschlag öfter als einmal vorhanden, die restlichen Speisen sind so vielfältig wie nur möglich. Dass man mit wenigen Zutaten vielerlei herstellen kann, das war mir wichtig. Es gibt im Buch insgesamt 78 einfache Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen. Die Mengen sind für 1 Person berechnet. Kocht man genau nach Anleitung, sind am Monatsende alle Lebensmittel aufgebraucht.

 

Edition Esspapier: Ein Budget von 30,– Euro pro Monat und Person klingt wohl für viele Menschen sehr knapp kalkuliert. Wie ist es dennoch möglich, damit das Auslangen zu finden?
Brigitte Rühl-Preitler: In der Einkaufsliste sind die preisgünstigsten Lebensmittel angegeben, keine Aktionen oder Großpackungen. Wenn man für mehrere Personen einkauft, würde es wahrscheinlich noch günstiger werden. Die Portionen sind trotz des knapp kalkulierten Einkaufs ziemlich groß. Ich war selbst erstaunt, als ich die Mengen nachgekocht habe. Meist gibt’s zu Mittag eine Suppe und Hauptspeise, zweimal sogar einen Nachtisch dazu …! Gerne können die Lebensmittel der Einkaufsliste auch in Bioqualität gekauft werden, dann würde sich der Preis circa verdreifachen. Meine Ausführungen sollen ja als ein Vorschlag gesehen werden.

 

Edition Esspapier: Du schreibst in Deinem Buch „Essen um zu leben“, dass die Rezepte gerne mit Kräutern und Wildpflanzen zum Beispiel aus dem eigenen Garten verfeinert werden können oder sollen. Was macht jemand, der in der Stadt wohnt und diese Möglichkeit nicht hat?
Brigitte Rühl-Preitler: Die Rezepte sind, außer 3 Rezepte mit Brennnesseln, mit Produkten aus dem Supermarkt nachzukochen. Wer keinen Garten oder Kräuterkenntnisse hat, kann ganz einfach nach den Rezepten im Buch kochen. Natürlich wäre es schön, wenn man ohne Garten zum Beispiel bei einem Spaziergang oder bei einer Wanderung einige Wildkräuter sammelt. Als Gewürze, Wildgemüse und Tees verarbeitet würden sie den Speiseplan sehr gesund aufwerten. Viele Tipps dazu gibt’s im Buch.

 

Edition Esspapier: Dein Buch „Essen um zu leben“ versteht sich als Anregung, preiswert, einfach und selbstbestimmt nachhaltig zu kochen. Was heißt das für Dich?

Autorin Brigitte Rühl-Preitler

Autorin Brigitte Rühl-Preitler

Brigitte Rühl-Preitler: Wir kochen zu Hause sehr bewusst mit einfachen Zutaten und viel Gemüse und Kräutern aus dem eigenen Garten. Was bei mir nicht wächst, pflücke ich bei einem Spaziergang oder hole mir auch Pflänzchen in den Garten. Alles, was zu viel ist, wird eingekocht, getrocknet oder tiefgekühlt. Wir essen wenig Fleisch, und ich mache auch Pflanzendrinks und Löwenzahnkaffee selbst. Sehr viel wird nach meinen Rezepten aus dem Buch gekocht. Mein Lieblingsrezept sind die Apfelnockerl und Polenta in allen Variationen.

 

Edition Esspapier: Wer wird deiner Meinung nach dieses Buch kaufen und danach kochen?
Brigitte Rühl-Preitler: Dieses Buch ist für alle Menschen gedacht. Junge Menschen (Jugendliche, Studenten), die ihren ersten Haushalt einrichten, Singles, Großfamilien, Leute, die kochen lernen möchten , alle, die finanzielle Probleme haben, oder für einen Urlaub oder ein Auto sparen möchten. Das Budget für den Einkauf der Lebensmittel ist mit der Einkaufsliste leicht überschaubar und kann jederzeit erweitert werden.

 

Edition Esspapier: Hast Du schon Ideen für weitere Projekte und/oder Bücher?
Brigitte Rühl-Preitler: Ich hab viele Ideen! Ob ich noch ein Buch schreibe oder mein Wissen in Workshops weitergebe, wird sich noch zeigen. Mit diesem Projekt wird eine gesunde Lebensweise und eine gesunde Ernährung für jeden leistbar !

 

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